black swan (Cygnus atratus) Queensland, Australia

Es ist gut ein halbes Jahr her, da stolperte ich über einen mir bis dato völlig unbekannten Autor namens Nassim Nicholas Taleb – der unter anderem einen Bestseller mit dem seltsamen Titel “der schwarze Schwan” verfasste.

Nichts ahnend versuchte ich mich einzulesen – und musste feststellen, dass er es schaffte, mit Hilfe verschiedener Essays die “große”, undurchdringliche Welt der Finanzökonomie und der Börsianer zu entzaubern und stellenweise vermeintlich kluge aber mit Sicherheit reiche Menschen als reine Glückspilze zu enttarnen.

Jetzt ist die Gastronomie weitaus weniger schnelllebig als das Finanz- und Börsenwesen (man könnte auch sagen, es lahmt nahezu im direkten Vergleich) und daher weniger von heftigen Berg- und Talfahrten mit gravierenden finanziellen Einbußen oder “Gaben” beeinflusst (betrachtet man die Gastronomie als Ganzes und nicht die einzelnen, kleinen Cafés und Restaurants). Jedoch steht die Gastronomie – immer bedacht auf den Fakt, dass alles doch immer so weiter laufen wird, wie es gerade noch lief- nun vor dem Trümmerhaufen ihrer Existenz, ausgelöst von einem “schwarzen Schwan”.

Für diejenigen unter euch, die sich mit dem Phänomen schwarzer Schwäne bisher noch nicht auseinandergesetzt haben (und ich danke wem auch immer dafür, dass ich es habe) – ein schwarzer Schwan ist ein höchst unwahrscheinliches Ereignis mit extremen Konsequenzen. Das ist per se nicht schlimm, wenn (!) unser manifestierter Irrglauben nicht darauf basieren würde, dass wir Dingen, die wir bisher nicht gesehen haben, ihre Existenz verweigern – sprich es nicht glauben, dass es etwas gibt, das alles verändern kann — bis es eintritt, uns letztlich völlig und ohne Vorbereitung trifft und aus dem Sattel fegt.

Oder hat jemand daran geglaubt, dass Restaurants und Kneipen über Wochen geschlossen bleiben müssen und voraussichtlich mit Abstandsvorgaben und Masken, zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen, hoffentlich bald wieder eröffnen? 

Eine seiner Ausführungen, die ich auch in anderen seiner Publikationen häufiger gelesen habe und mit Erschrecken feststellen musste, wie häufig man diesem Denkfehler begegnet, ist: Wir setzen die Tatsache des Fehlens von Beweisen für unwahrscheinliche Ereignisse  mit Beweisen dafür gleich, dass es diese nicht gibt!

Das soll kein Loblied auf Taleb werden – sondern lediglich der Versuch, das Augenmerk mehr auf das zu richten, was man nicht auf den ersten Blick sieht und am wenigsten erwartet, sich nicht auszuruhen und mit allem zu rechnen – gerade heute, gerade jetzt. 

Wir sollten beginnen, die Hospitality-Branche neu zu denken und zu definieren.

 

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