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“Was vielfach nicht zur Verfügung steht, ist ein Wissen um die Zusammenhänge im Hinblick auf die Beanspruchung der Umwelt sowie eine Umweltethik, die das Handeln bestimmt.” schreibt Nicole Löwe – in ihrer Dissertation „Konzeption einer nachhaltigen Abfallwirtschaft“, über die ich zufällig bei einem Buchhändler meines Vertrauens gestolpert bin.

Natur- und Umweltschutz kommt in einer Stadt – wie beispielsweise München – nur zustande, wenn jedes Rad im Getriebe seine Aufgaben kennt und auch wahrnimmt.  Um diese wahrnehmen zu können, erfordert es allerdings eine Reihe vorangegangener erfüllter Aufgaben seitens der Kommunen und der beteiligten Industrien gegenüber dem Verbraucher.

Es gab Zeiten, da gab es keinen Müll – mag völlig irrsinnig klingen, war aber so!

Letztlich hat unser Konsum und der damit verbundene Wohlstand, über den wir als Gesellschaft sehr glücklich sind, dazu beigetragen, dass wir nicht nur in einer Konsum-, sondern leider auch in einer Müllgesellschaft leben, denn, wie Thomas Hylland Eriksen es in „Mensch und Müll“ seht treffend auf den Punkt bringt: „Abfall ist eine logische Implikation von Konsum“.

Wie wir in Bezug auf unsere Ernährung und der Lebensmittelindustrie schon feststellen konnten, ist in den letzten Jahrzehnten ein wenig (oder ein wenig mehr) am Leben der Menschen und an den Zusammenhängen zwischen unserem Handeln und den Auswirkungen auf unsere Umwelt vorbei entwickelt wurden – das gilt natürlich auch für den Müll, der sehr häufig mit unserer Ernährungsform einhergeht und diese teilweise erst möglich macht – was heruntergebrochen bedeutet, dass wir als Verbraucher und die wohl größten Produzenten von Müll weltweit, keine Ahnung mehr davon haben, aus was unser Verpackungsmaterial eigentlich besteht, wo es herkommt, wo es hingeht und was man daraus am Ende noch alles machen kann – mal ganz abgesehen vom Mikroplastik im Grundwasser und im menschlichen Körper.

Erst in den letzten Jahrzehnten setzten wir uns als Gesellschaft mit dem Thema Müll – oder besser, mit der Verschwendung und dem Re- und Upcycling von Ressourcen vermehrt auseinander – und somit wurde die Abfallwirtschaft zu einem maßgeblichen Element der Ressourcenwirtschaft. Wir erkennen in einem langsamen Prozess, dass wir uns, wenn wir nicht sorgfältiger, achtsamer und nachhaltiger (BINGO!) mit unseren Rohstoffen umgehen, wir jedes mal, wenn wir unseren Döner für die Zeitspanne von 5 Minuten in Aluminiumfolie und einen Plastikbeutel verpacken lassen, etwas Eis von der Scholle hacken, auf der wir sitzen.

Vielleicht erkennt ja der ein oder andere auf was ich hinaus möchte – es geht um einen Bewusstseinswandel, der meiner Meinung nach schon im Wort selbst Problem und auch Lösung sein kann und an der die einzelnen Kommunen, der Bund, die Unternehmen und jeder Mitbürger mitarbeiten kann und muss – lasst uns beginnen von Ressourcen zu sprechen und nicht mehr von Müll! Lasst uns bewusster mit unseren Rohstoffen umgehen und Ressourcen sauber trennen – auch wenn die im Meer schwimmende Tüte gerade noch nicht ausschaut, wie der nächste neue Sneaker – damit das Eis unserer Scholle am anderen Ende wieder wächst, während wir es an dieser Stelle abhacken.