Hunger…

Uns ist unterwegs etwas verloren gegangen… etwas Entscheidendes… etwas, das uns Respekt und vielleicht auch Furcht hat lehren lassen. Etwas, das als Wort häufiger Verwendung findet, als es wahrscheinlich den tatsächlichen Gefühlszustand wiederspiegelt … zumindest in unserer westlichen Welt.

Hunger…

Mein Vater meinte immer wenn ich das Wort ‚Hunger‘  inflationär verwendete, dass ich keine Ahnung hätte, was es eigentlich bedeutet, Hunger zu haben.

Er nannte es in der Regel Appetit, den ich verspürte.

Er ist in den 50ern als Sohn einer 14-köpfigen-Familie aufgewachsen… ob er tatsächlich Hunger leiden musste, weiß ich nicht (ich hoffe zumindest nicht). Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit im Nachkriegsdeutschland wesentlich höher gewesen, als in dem Schlaraffenland, in dem ich groß geworden bin.

Mit dem Verlust des Hungers in unseren Breiten, ist – wie schon gesagt – etwas Wichtiges verloren gegangen: Der Respekt vor Lebensmitteln, der Respekt gegenüber denen, die sie herstellen und der Respekt vor dem Lebewesen, das um unseren Appetit zu zügeln, gehalten und getötet wird.

Diese Respektlosigkeit zeigt sich unentwegt und überall. Gelegentlich wird sie auch thematisiert, hier und da… große Lebensmittelkonzerne werden an den Pranger gestellt… völlig zu Recht!

Aber wahrscheinlich kehrt Müller, Meyer, Schulze gerade fünf Kartoffeln, einen viertel Schweinebraten und 300g Krautsalat in den Müll, während sie dem Reporter zustimmend über den sorglosen Umgang mit Lebensmittel wettern.

Irgendwie eine scheiß Ironie – oder?

Aber herzlichen Glückwunsch… der Großteil derer, die das hier lesen und verstehen können, haben nie hungern müssen und leben in der glücklichen Gewissheit, es wohl auch nie werden zu müssen. (Nimmt man an.)

Warum gehen wir so sorglos mit Lebensmitteln um? Assoziieren wir sie nicht mehr mit Leben? Vielleicht sind sie zu günstig…?

Ist es uns egal, dass wir unser Geld zum Fenster rauswerfen, wenn wir noch verwertbare Lebensmittel wegschmeißen oder sie ungenutzt im Kühlschrank verkommen lassen. Ist es auch egal, dass wir Rohstoffe vergeuden, während wir aus ästhetischen Gründen Nahrungsmittel der Tonne übergeben, obwohl sie noch genießbar sind?

Aber vielleicht haben wir auch einfach keine Ahnung mehr von dem, was wir mit Resten anfangen sollen, wann etwas schlecht ist oder ob man die braune Stelle am Apfel jetzt mitessen kann. In wie weit man Mindesthalbarkeitsdaten uneingeschränktes Vertrauen schenken muss oder wann man einfach mal seiner Nase vertrauen sollte.

Es erwartet keiner ein 3*** Gericht aus den Resten den sonntäglichen Mittagstisch… aber mehr Kreativität als Reste in Plastik zu hüllen, um sie dann zu entsorgen, kann man schon erwarten, finde ich! Oder ist das dann Kreativität frei nach Christo?

Ich möchte und kann mich an dieser Stelle noch nicht einmal hundertprozentig rausnehmen… auch ich erwische mich, wie ich Dinge entsorgen muss, die mir aus meinem Blickfeld entschwunden sind und ich entsorgen muss.

Doch möchte ich dahingehend etwas verändern.

Einen Anfang machen.

Gegen Resourcenverschwendung… übermäßiges einkaufen… mangelnde Kreativität in der Resteverwertung… Unwissenheit in der Lebensmittellagerung und blindes Vertrauen in Mindesthaltbarkeitsdaten.

Dieses Streiflicht soll der Anfang sein…

EAT ME NOW!

 

Schönen Sonntag noch…

Euer Vince

 

 

 

 

 

Stay tuned…